Mittelalter – wir betreten mit einem Freund eine Zitadelle, eisiger Wind weht von draußen herein und obwohl es in der großen Halle vor uns farblich eher kalt gehalten ist, fühlen wir eine leichte Wärme um uns herum aufsteigen, wir sind der Kälte nicht mehr ausgeliefert. Doch viel Zeit steht uns nicht zum Ausruhen zur Verfügung, denn unser Held Harkyn steht bereits vor seinem ersten Kampf. Ein Rhogar springt uns in die Queere und seine Augen brennen wie die glühende Kälte in seinem Herzen. Seine riesige Streitaxt schlägt gewaltigen in den Boden vor uns uns soll uns nicht nur ins ewige Jenseits befördern, nein sie soll uns auch Angst einjagen. Hier beginnt die Reise von Harkyn, einem verurteiltem Verbrecher, der eigentlich im Gefängnis sein sollte um seiner gerechten Strafe abzusitzen. Das wir jetzt hier vor dem ersten Gegner stehen dürfen um etliche Tode einzukassieren, hat seine Gründe und einen Verantwortlichen, denn unser Begleiter Kaslo hat uns aus dem Gefängnis befreit und ist der Meinung: Wir sind die letzte Hoffnung der Menschheit, um die Welt vor den zurückkehrenden Lords zu retten.

“Ein Merkmal, dass dem Spiel wirklich gut steht, denn auch an, auf den ersten Blick, unmöglich zu bestehende Kämpfe, kommen wir doch irgendwann endlich vorbei, und das Gefühl der Unbesiegbarkeit breitet sich für einen kurzen Moment aus.”

Zu Beginn wählen wir die Klasse unseres Kriegers Harkyn, dabei können wir zwischen Defensiv, Offensiv und Täuschung entscheiden, ein späterer Wechsel im Spiel selber ist nicht möglich. In der weiteren Wahl haben wir jetzt noch die Rüstungen die wir mit uns führen wollen, dabei können wir zwischen den Gewichtsstufen Leicht, Mittel und Schwer wählen, schon hier wird deutlich, dass eine gute Rüstung wohl die schwerste ist, aber sich das wohl aufs Gameplay auswirken könnte. Und genau da liegt auch schon die erste große Stärke von Lords of the Fallen. Selten haben wir ein Spiel gespielt in dem der Charakter so offensichtliche Veränderungen durchmacht, wenn wir ihm einen schwereren Helm und ein größeres Schild verpassen. Liefen wir eben noch wie eine gewandte Heuschrecke mit der Geschwindigkeit von Speedy Gonzales ;) , so haben wir mitunter schwer zu schleppen, traben langsamer und auch das Heben unseres Schildes benötigt nicht nur mehr Zeit, nein auch die Animationen wirken richtig klasse, vermitteln einen die perfekte Illusion des gewichtigen Schildes oder der mächtigen massiven Waffe.

Lords of the Fallen ist ein klassisches Rollenspiel im Medieval-Fantasy Gewand, gepaart mit dem Hack & Slay Genre und schafft es, ohne große Einleitung, Euch in eine alte mystische Welt zu verfrachten. Die gesamte Atmosphäre ist einfach immer wieder atemberaubend. Der Schnee peitscht uns um die Ohren, der Wind bringt die Kamera hinter uns zum wackeln und verleiht den Szenen noch einen weiteren Glanz. Auch die Gegner wirken realistisch in die Welt versetzt, und das, obwohl sie ja dort eigentlich nichts zu suchen haben, und wir diese aus eben jener versuchen zu vertreiben. Das Wort versuchen trifft es auch ziemlich gut, denn Ihr werdet wie viele vor Euch, etliche Bildschirmtode sterben. Auch wenn Lords of the Fallen ein Hack & Slay Kampfsystem besitzt, so macht es doch wenig Sinn einfach in einen Kampf zu preschen und drauf los zu schlagen. Unser Charakter führt seine Klingenzüge sehr realistisch aus, muss also um einen ordentlichen Schlag auszuführen die Waffe erst einmal ausholen.

Das nimmt Zeit in Anspruch, macht uns verletzbar – denn in dieser Zeit haben wir keine Deckung und sind quasi Schutzlos und müssen im Ernstfall ordentlich Schaden einstecken. Mit L1 heben wir unser Schild und können, nachdem wir die R3 Taste gedrückt haben, mit der wir den Gegner anvisieren, uns voll und ganz auf ihn konzentrieren. Hier gilt es nun Taktisch vorzugehen, denn wirklich jeder Gegner erfordert eine andere Herangehensweise und eben Taktik, diesen zu schlagen. Wir müssen das Angriffsmuster deuten und den richtigen Moment abwarten, dann können wir entscheiden ob wir mit R1 einen schmächtigen oder mit R2 einen mächtigen Schlag ausüben. Nebenbei gilt es immer wieder hinter Eurem Schild in Deckung zu gehen, und zur Seite zu rollen. Gerade am Anfang können die Kämpfe deshalb schnell zum schon erwähnten Game Over kommen und wir beginnen unser Abenteuer wieder am letzten schwebenden Speicherrunenstein.

Doch auch hier hat sich Entwicklerstudio Deck 13 und CI Games noch etwas einfallen lassen. Eure Erfahrungswerte die Ihr im Laufe des Kampfverlaufes mit jedem Gegner macht, werden gesammelt und können an an den Speicherstationen in Charakterattribute eingetauscht werden. Dabei müssen wir einen Erfahrungsbalken voll bekommen, danach erhalten wir Zauberpunkte oder Attributpunkte die wir dann unter anderem in Ausdauer, Stärke, Glaube und Geschicklichkeit einsetzen dürfen. Hier wird uns immer schön angezeigt welche Verbesserungen uns jetzt dieser Attributpunkt einbringen würde. Sterben wir, werden gesammelte Erfahrungspunkte in einem EP-Geist aufgehoben, der uns erlaubt an gestorbener Stelle die Erfahrungspunkte wieder einzusammeln. Überhaupt ist die Sache mit den EP sehr klever gelöst, entscheiden wir uns für eine ganze Serie an Kämpfen hintereinander, so können immer bessere Gegenstände von den Gegner gesammelt werden, investieren wie stattdessen schnell immer wieder die ersten 500 EP in den Erfahrungsbalken, um auf Nummer sicher zu gehen und auf einen Attributpunkt hinzusparen, sind fallen gelassene Gegenstände Mangelware – Ihr werdet also belohnt für Ehrgeiz und Können. Wobei, gerade bei den Kämpfen solltet Ihr anfänglich auf Vorsicht setzen, denn es kann schon ein Treffer vom falschen Gegner Euer Ende bedeuten. Trefft Ihr auf einen Lord als Endgegner, werdet Ihr schnell zu spüren bekommen, was ein echter Gegner ist und das Zeitliche segnen. Nach einem Respawn sind aber alle bereits getöteten Gegner wieder an ihrem Platz und das Jagen nach Erfahrungspunkten und dem aufleveln Eurer Fähigkeiten kann weitergehen. Ein Merkmal, dass dem Spiel wirklich gut steht, denn auch an, auf den ersten Blick, unmöglich zu bestehende Kämpfe, kommen wir doch irgendwann endlich vorbei, und das Gefühl der Unbesiegbarkeit breitet sich für einen kurzen Moment aus. Doch genauso schnell wie wir uns mächtig und gerüstet fühlen, merken wir im nächsten Gebiet, dass auch härtere Gegner auf uns warten – für Rollenspiel-Liebhaber absolutes Gänsehaut-Feeling. Es gibt im übrigem keinen einstellbaren Schwierigkeitsgrad aber gefühlt liegt dieser in jedem Fall auf Schwer, Gelegenheitsspieler werden hier einiges an Zeit mit leveln verbringen.

Wie Eure Held Harkyn sich spielt, hängt dabei sehr von den Faktoren ab, die Ihr ihm verpasst. Trägt er ein schweres Schild mit hohem Schutz, oder eher ein großes, dass nur mittelmäßigen Schutz bietet? Selbiges könnt Ihr für seine komplette Rüstung entscheiden. Die Schuhe, die Handschuhe, alles lässt sich ändern und Inventar sammeln wir immer wieder neues auf, können uns immer wieder neu probieren und nach der perfekten Balance suchen. Die Trial & Error Situationen, sind ein wichtiger Bestandteil des Gameplays. Es gibt Gegner, bei denen es keinen Sinn macht mit voller Rüstung, eben viel Gewicht und schwerer Waffe, ewige Sekunden für einen ausholenden Schlag zu benötigen. Der Gegner lässt uns teilweise nur Millisekunden, um seine Deckung zu knacken.

Grafisch bekommen wir in Lords of the Fallen einiges geboten. Unsere PlayStation 4-Version forderte uns zwar zunächst auf, einen 5 Gigabyte Patch zu downloaden, doch das was uns präsentiert wird ist einfach grandios. Schneeflocken haften an der Kamera, die untergehende Sonne blendet uns an der einen oder anderen Stelle, Partikel und Raucheffekte wirken durch die Bank weg mit viel Liebe zum Detail gearbeitet. Die Kamerawackler im Freien plus die wirklich tollen Wettereffekt könnten in einem Rennspiel nicht besser aussehen, hier haben die Entwickler wirklich ganze Arbeit geleistet. Auch die filigran gefertigten Waffen und Schilder überzeugen mit ihren unzähligen Einzelheiten und ihrer Aufmachung die sich perfekt in die dunkle Fantasy-Welt einfügen. Sämtliche Animationen und Bewegungen der Gegner sind flüssig und abwechslungsreich. Die Kameraführung wird im Grunde Euch überlassen, Ihr müsst also immer wieder mit dem Analogstick arbeiten, es sei denn Ihr habt einen Gegner anvisiert – hier zeigt sich eine Schwachstelle, denn die Kamera sorgt immer wieder dafür, dass wir unseren Helden überhaupt nicht sehen können und ordentlich Schläge einkassieren. Auch die Story kratzt eher an ihrer Oberfläche als damit zu glänzen. Das Leveldesign erinnert anfänglich an Schlauchlevel, beim erkunden der Spielwelt fällt jedoch schnell auf, dass es etliche Alternativwege gibt, man diese aber einfach vorher nicht entdeckt, oder den dazugehörigen Schalter übersehen hat um ein Tor zu öffnen. Das Flair der dunklen Welten kann sich nicht nur sehen, sondern auch hören lassen. Ein wenig wie in ICO, ist das Gameplay nicht mit viel Musik untermalt, sondern auf die Umgebung angepasst. Im Freien pfeift uns der Wind um die Ohren und in kleinen Kammern hören wir das Knistern der Feuerstelle. Es gibt immer wieder Situationen in denen wir für eine kurze Zeit mit einem Theme berieselt werden, zumeist sind die orchestralen Klänge, aus den Federn des norwegischen Komponisten Knut Avenstroup Haugen, jedoch in Zwischensequenzen und dem Erscheinen der elf Lords (Endgegner) verarbeitet. 2009 erhielt er für seine Arbeit am Videospiel-Soundtrack zu Age of Conan – Hyborian Adventures den International Film Music Critics Association Award for Scoring Excellence (IFMCA)-Preis. Die Symbiose zwischen Soundtrack und Soundeffekten wurde perfekt zu einer Einheit verschmolzen und trägt ebenfalls viel dazu bei, dass Lords of the Fallen ein wirklich grandioses Spielerlebnis bietet. Und das Beste ist, der Soundtrack befindet sich in der Limited Edition in gepresster Form auf CD mit in der Hülle zum Spiel. Ja ihr habt richtig gelesen, kein Download sondern eine echte CD, so wie sich das Soundtrack-Fans wünschen, hier können sich viele Publisher eine Scheibe abschneiden! Die CD enthält ganze 15 Titel, wovon vor allem die Tracks Winter’s Kiss und Sacrifice hervorstechen. Erster genannter Track, ist das Theme zu Lords of the Fallen und verbreitet mit seinem weiblichen Koloratur Gesang einfach nur wunderschöne Ohrwurm-Gänsehaut.

 

 

Was Entwicklerstudio Deck 13 und CI Games mit Lords of the Fallen abliefern ist wirklich erstklassige Rollenspiel-Kost. Der Titel bietet Euch ein anspruchsvolles Kampfsystem, jeder Gegnertypen-Kampf stellt dabei eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar, man lernt durch Versagen und der Erfahrungspunkte Geist ist eine willkommene Abwechslung, die Euch nicht sofort Eure verdienten EP’s nach dem Tod abnimmt. Die Einleitung lässt sich einfach überspringen, indem man zunächst den Gegner links liegen (stehen) lässt, die Treppe hinaufrennt, sich erst dann seinen ersten Kampf widmet, dieses Tutorial zu nennen wäre wohl ein wenig zu viel des guten. Genauso ergeht es Euch aber auch sobald Ihr neue Fähigkeiten erlernt und zum Beispiel das erste mal Magie anwenden könnt. Ein unbedachter Schritt in die falsche Richtung und die Meldung die eben noch erklärte wie Ihr jetzt etwas anwendet, verschwindet ins Nichts. Bis auf ein paar Clipping-Fehler, wie das Euer Umhang durch Euer Schild hindurch weht, kann Lords of the Fallen von vorne bis zum Ende gefallen, der Grafikstil schickt Euch in eine wundervolle mittelalterliche Fantasy-Welt und die spektakulären Bosskämpfe erfordern Aufmerksamkeit und Taktik zugleich, denn jeder Fehler wird bestraft und Eure Lebensanzeige rattert schnell gegen Ende. Die atemberaubende Optik mit tollen Wettereffekten und super dargestellte Partikeleffekten wird Euch des öfteren die Share-Taste Eures Dualshock4-Controllers drücken lassen und die realistische Beleuchtung sorgt für ihr Übriges. Die deutsche Sprachausgabe ist mit grandios gewählten Synchronsprechern aufgenommen, die Hauptrolle wurde eingesprochen von Tobias Kluckert, die deutsche Stimme von Gerard Butler. Ein leichter Hall liegt auf den Dialogen, was dem Flair des Spieles entgegenkommt, denn die meisten Dialoge finden in riesigen Räumlichkeiten statt. Lords of the Fallen ist ganz großes Popcorn-Kino und ein Muss für alle Rollenspiel Fans die schwierige Herausforderungen lieben und sich nicht durch etliche Tode entmutigen lassen.


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Autor: Davis Schrapel

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