Das Bild Die gefrorene Stadt reflektiert das Genre Wirtschaftssimulationen, das den Städtebau zum zentralen Thema hat. Inspiration fand Matthias Zimmermann in der Computerspielreihe SimCity, die 1989 ihren Anfang fand. Inhalt dieses Spiels ist die Simulation einer Stadt und deren Entwicklung, auf einer anfänglich unbebauten Landschaft, unter Einbeziehung verschiedener Faktoren wie Wohnkomfort, Kriminalität, Bildung, Umwelt/Energiegewinnung, Verkehr. Letztere Faktoren bilden im Gemälde der gefrorenen Stadt zentrale Themen:

Die eine Kältestarre anmutende Atmosphäre wird von einem hell gleissenden Leuchtstrahl, über dem City-Panorama im Hintergrund horizontal durchzogen, dessen Energie sich im Zenit kreisförmig konzentriert. In der Region um die Seefläche und im Bergmassiv wird Energiegewinnung durch teilweise heftigen Rauchausstoss von Kohlekraftwerken und Schornsteinen von Häusern repräsentiert.

Auch die Fortbewegung ist in der gefrornen Stadt ein Kernthema. Auf der linken Seite befindet sich ein Bahnhof, dessen Züge um eine abgerundete Kante biegen, während im Hintergrund sich zahlreiche kleinere Fahrzeuge im Formenspiel dieser abstrahierten Grossstadt abzeichnen. Ein Zug fährt hinter dem strahlenden Energiezenit durch, derweil die Fortbewegung im Bergmassiv durch einen Schnellzug und einer Lokomotive erfolgt; auf der Seefläche durch ein grosses Dampfschiff und U-Boote. Der in SimCity zu sehende Fortschritt der Bebauung einer unberührten Landschaft ist in der gefrornen Stadt, obschon das Bild auf der Leinwand bewegungslos ist, ebenfalls zu erkennen: Betrachtet man dieses Gemälde von unten nach oben, ist eine Zeitachse auszumachen. Während im unteren Bereich des Bildes eine weit gehend von technischem Fortschritt verschonte Berg-Natur zu erkennen ist, technisiert sich diese Landschaft zunehmend, je weiter man aufwärts blickt, zu einer abstrakten Mega-City die an eine Metropole wie Tokyo oder Shanghai denken lässt. In dem der Künstler das Panorama seiner Stadtansicht in einer Multiperspektive darstellt, führt er die Logik der Raumdarstellung gewissermassen ad absurdum und zeigt die Grenzen einer digitalen Spielwelt wie SimCity auf, welche in der isometrischen Darstellung und Fluchtpunktperspektive verhaftet ist und den strickten Gesetzten der programmierten Raumrepräsentation folgen muss. Einen weiteren und eingehenden Einblick gewährt die selbstentworfene Webseite des Künstlers Matthias Zimmermann.

Quelle / Autor: Davis Schrapel

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