Wir schreiben den 22 Januar 2015, in Japan erscheint Tales of Zestiria – damals exklusiv auf der PlayStation 3. Natürlich war der Titel heiß erwartet, schließlich markiert er den 20. Geburtstag der Tales of…-Serie. Doch nach der Veröffentlichung wurde es still um den Titel und dessen Lokalisation. Dementsprechend lange haben Fans auf eine Veröffentlichung in Europa gewartet. Am 16 Oktober 2015 war es dann soweit. Endlich dürfen auch wir in Europa uns in die aufregende Welt von Tales of Zestiria stürzen. Und das sogar auf der PlayStation 4! Ob sich das Warten gelohnt hat, erfahrt ihr in unserem ZOOM!

Ihr schlüpft in die Schuhe von Sorey, einem Menschen der – völlig abseits der menschlichen Zivilisation – von den Seraphin großgezogen wurde. Seraphin, das sind engelsgleiche Wesen die nur von Menschen gesehen werden können die eine „Resonanz“ für die Seraphin haben (eine Art Affinität). Das klingt jetzt etwas komplizierter als es eigentlich ist. Gerade dieses Element wird im Spiel immer wieder schön dargestellt indem man manche Szenen aus der Sicht der Menschen sieht. Ein Beispiel: Sorey unterhält sich mit seinem Seraphin Freund Mikleo. Aus der Sicht der Menschen sieht es aus als würde Sorey Selbstgespräche führen was zum ein oder anderen Schmunzler führt. Aber zurück zur Geschichte. Als Sorey lebt ihr zusammen mit den Seraphin in einem Dorf auf einem Berg, weit weg von jeglicher menschlichen Zivilisation. Es kommt aber wie es kommen muss, ein Mensch verirrt sich in die Domäne der Seraphin und bringt dort alles durcheinander. Durch eine Verkettung von Ereignissen sieht sich Sorey gezwungen sein Heimatdorf zu verlassen und die Menschenwelt zu erkunden. Von diesem Zeitpunkt an entwickelt sich in alter JRPG Manier ein Kampf zwischen Gut und Böse. Nach einem Anfang der sich etwas in die Länge ziehst, seid Ihr auf einmal der „Hüter“ der menschlichen Rasse und das Abenteuer beginnt.

“Interessanterweise sind es gerade die Städte die Gameplay technisch mit ein paar recht untypischen Ideen aufwarten.”

Glücklicherweise seid ihr auf eurer Reise aber nicht allein unterwegs, nach und nach gesellen sich mehrere Charaktere sowohl Menschen als auch Seraphin zu eurer Party hinzu. Und hier zeigt Tales of Zestiria ganz klar seine Stärken, auf schon fast gewohnter Weise, sind alle Charaktere bestimmte Stereotypen aber das Zusammenspiel, die Chemie zwischen den Charakteren, ist einfach nur gelungen und es macht unweigerlich Spaß gemeinsam mit diesem bunten Haufen die Welt von Zestiria zu erkunden. Natürlich sind eure Party Mitglieder nicht nur dazu da an manchen Stellen einen lustigen Kommentar fallen zu lassen. Ganz im Gegenteil. Und damit kommen wir zum eigentlichen Herzstück von Tales of Zestiria, dem weiter entwickelten Kampfsystem.

Zum ersten Mal in der Tales of…-Serie gibt es in Zestiria keinen Übergang von der Spielwelt in die Kampfarena. Dieser wird ab sofort komplett flüssig dargestellt. Die Kampfarena entsteht genau dort wo Ihr den Gegner angreift. Das hört sich jetzt nach einer kleinen Änderung an, ist für die Tales of…-Serie aber ein großer Schritt nach vorne. Das Grundgerüst für die Kämpfe an sich, ist immer noch das Linear Motion Battle System (oder auch LMBS für diejenigen unter euch die Abkürzungen mögen ;) ) welches ebenfalls aus den Tales of…-Spielen bekannt ist. Hier einmal ganz grob was das bedeutet: Seid ihr im Kampf erhaltet ihr am unteren Bildschirmrand für jeden aktiven Charakter ein kleines Informations-Fenster. In diesem werden eure HP (Lebenspunkte), BP (Blast Points) und SC (Spirit Chain) angezeigt. Sinken eure HP auf 0 ist der Charakter kampfunfähig. Eure Blast Points zeigen euch an wie oft ihr noch Artes (Zestirias Version von Magie) benutzen könnt. Und eure Spirit Chain ist am besten mit Ausdauer zu vergleichen. In den Standard Einstellungen läuft euer Charakter automatisch auf den ausgewählten Gegner zu und ihr könnt euch darauf konzentrieren diesen mir Artes (Magie) oder physischen Angriffen anzugreifen. Eure Angriffe könnt ihr dann miteinander kombinieren um immer stärkere Kombos zu starten, außerdem bietet das Kampfsystem noch einige weitere Raffinessen, diese alle auszuführen würde an dieser Stelle aber zu weit gehen. Es sei aber so viel gesagt, diejenigen die möchten finden hier ein sehr komplexes und durchdachtes Kampfsystem. An einem Kampf können maximal 4 Charaktere teilnehmen (2 Menschen, 2 Seraphin) und das ist der Punkt an dem das Kampfsystem erweitert wurde.

Und deswegen wird es in Tales of Zestiria “Fusionic Chain Linear Motion Battle System” genannt (falls dies einmal die 1 Million Euro Frage bei einer beliebten Quiz Show sein sollte :!: ). Recht früh im Spiel erhaltet ihr nämlich die Fähigkeit Sorey mit einem beliebigen Seraphin aus eurer Party zu fusionieren. Dadurch erhält Sorey nicht nur einen ordentlichen Boost seiner Angriffskraft, sondern auch die elementaren Fähigkeiten des Seraphins mit dem er verschmilzt. So könnt ihr zum Beispiel wenn ihr euch mit Mikleo (einem Wasser Seraphin) fusioniert auf Wasser Fähigkeiten zurückgreifen. Damit aber noch nicht genug denn auch die Lebenspunkte der Charaktere werden zusammengelegt. Natürlich könnt ihr die Fusion während des Kampfes jederzeit wieder auflösen, den Seraphin an eurer Seite austauschen, und dann wieder fusionieren. Den Seraphin an eurer Seite wechselt ihr übrigens durch einen Druck auf dem Analog Steuerkreuz, eigentlich ganz einfach. Das ist aber auch gut so denn ihr werdet recht viele Kämpfe bestreiten, vor allem in den Dungeons des Spieles. Kämpft gerade einmal nicht, seid Ihr entweder damit beschäftigt durch die Oberwelt zu reisen oder Ihr seid in einer der größeren Städte von Tales of Zestiria unterwegs. Interessanterweise sind es gerade die Städte die Gameplay technisch mit ein paar recht untypischen Ideen aufwarten. Zum Beispiel: In Tales of Zestiria wird euer Quest Ziel immer mit einem Stern auf der Karte markiert. In einer Stadt kann es aber passieren, dass ihr das Ziel selbst herausfinden müsst. Dazu belauscht ihr die Gespräche der Stadtbewohner. Diese unterhalten sich zum Beispiel über ein mächtiges Wesen an einer Brücke, was für euch dann sozusagen der Wink mit dem Zaunpfahl sein sollte – diese Gegend genauer unter die Lupe zu nehmen.

Kommen wir zu einem weiteren wichtigen Punkt von Tales of Zestiria – Eurem Equipment. Dieses bestimmt nämlich die Stärke und die Fähigkeiten eures Charakters. Das schöne hierbei ist, dass selbst euer Equipment in seinem Level aufsteigen kann wenn ihr es im Kampf tragt. So ist so mancher Lumpen den man am Anfang des Spieles erhält auch später noch für etwas zu gebrauchen. Kommt ihr mit eurem Equipment aber trotzdem an einem Punkt an dem es nicht weiter geht solltet ihr es fusionieren. Ja ihr habt richtig gelesen. Bei einem Schmied eures Vertrauens könnt ihr gleiche Gegenstände miteinander kombinieren um einen noch mächtigeren Gegenstand zu erhalten. Dadurch wird der Gegenstand nicht nur stärker, sondern erhält auch neue Fähigkeiten. Leider kann der Titel auf der grafischen Seite nicht so überzeugen wie in anderen Punkten. Oftmals hat man das Gefühl, ein PlayStation 2-Spiel vor sich zu haben. Die Texturen sind matschig und vor allem dem Terrain sieht man seine ursprüngliche Konsolengeneration immer noch an. Auf der anderen Seite sind da die Charaktere die sehr hübsch aussehen, jedoch teils sehr steif animiert wurden. Sprechen diese miteinander, klappt oft einfach nur der Kiefer nach unten und dann wieder nach oben. Hier hätte dem Spiel noch etwas mehr Fine-Tuning gut getan. Hier wurde auf jedenfalls sehr viel Potential, Tales of Zestiria auf PlayStation 4-Level zu heben, verschenkt. Positiv bleiben die Anime Sequenzen anzumerken die das Gameplay zwischendurch auflockern und die Story vorantreiben.

Ebenfalls positives gibt es beim Sound zu berichten. Die orchestralen Klänge sind sehr schön und wechseln sich mit rockigen Liedern ab. Vor allem der Opening Song überzeugt mit seiner Ohrwurmqualität. Bandai Namco Entertainment spendiert uns die japanische original Synchronisation zusätzlich zur englischen Synchronisation. An dieser Stelle können wir können euch hier die japanische Synchronisation ans Herz legen, denn diese ist um einiges besser als sein englischer Gegenspieler. Im Englischen wirken Sätze lieblos und abgehackt eingesprochen. An dieser Stelle noch eine kurze Warnung: Habt ihr euch für eine Sprachausgabe entschieden könnt ihr diese nicht mehr im Spielverlauf ändern. Eine Änderung ist nur mit einem neuen Speicherstand möglich. Warum das so ist, können wir uns nicht erklären, immerhin wird dieses Manko mit einem Pop-Up Fenster erwähnt und schickt Euch nicht völlig unvorbereitet in die Auswahl.

 

 

Tales of Zestiria verschenkt grafisch viel Potential, wer über die Grafik und einen etwas langsamen Einstieg hinweg sehen kann erhält ein sehr gutes JRPG mit interessanten Charakteren und einer spannenden, wenn auch vorhersehbaren Geschichte. Für eine Top Wertung, trüben aber zu viele Kleinigkeiten und nicht nachvollziehbare Entscheidungen, das Gesamtwerk. So können wir im gesamten Spiel keinen Screenshot mit der PlayStation 4 erstellen, diese Funktion wurde durch Bandai Namco Entertainment gesperrt. Als Erklärung hat uns der Entwickler auf Twitter (Link) geantwortet, dass es aus Lizenzrechtlichen Gründen nicht möglich ist. Auch der fehlende nachträgliche Wechsel der Sprachausgabe ist nicht nachvollziehbar. Das Kampfsystem ist komplex genug um Fans der Serie zufrieden zu stellen aber gleichzeitig auch intuitiv genug, das auch Neulinge hinein finden werden. Wer nach einem neuen JRPG sucht könnte hier durchaus fündig werden.


GamesArt Wertungssystem

Autor: Marc Volle

Dieser Inhalt ist leider nicht verfügbar. Bitte erlaube Cookies und stimme unseren Datenschutzbestimmungen zu.