Niemand ist perfekt. Das zeigt sich in Momenten in denen das Leben einen vor den Kopf stößt und einen vor bis dato ungeahnte Herausforderungen stellt. Davon erzählen uns die ersten Zeilen von #Firewatch . Während sich Henry durch Wanderpfade schlägt erleben wir in wenigen, aber auf den Punkt geschriebenen Sätzen Henrys Vorgeschichte, samt eigenen Entscheidungen. Welchen Hund haben wir? Wie reagieren wir auf unsere Frau in Schlüsselpunkten der Beziehung? Seine Frau? Sie ist der Grund weshalb sich Henry auf einen Sommerjob als Ranger eines Nationalparks einlässt. Sie ist mittlerweile pflegebedürftig und Henry, unfähig mit dieser Situation umzugehen, flüchtet.

“Die cartoonige Optik hüllt das Ganze in ein sehr stimmiges Kleid – besonders die Lichtstimmung ist toll gelungen!”

Henry muss aufpassen, dass im Thorofare Nationalpark keine Feuer ausbrechen, die katastrophale Auswirkungen auf den Wald hätten. Sein einziger Kontakt ist Delilah, mit der wir per Funkgerät in Verbindung stehen. Die Gespräche sind dabei stets interaktiv. Wir haben im Gespräch einige Sekunden Zeit eine aus drei Antwortmöglichkeiten oder Enthaltung zu wählen. Henry kann das Funkgerät auch initiativ benutzen indem wir kontextsensitiv auf Objekte und Orte zeigen, das Funkgerät per Schultertaste bedienen und eine Gesprächs-Option wählen. Die uns schnell ans Herz wachsende Delilah ist aber nicht nur eine ebenbürtige Duellantin in Wortgefechten, sondern unsere Auftraggeberin. Am zweiten Arbeitstag erspähen wir Feuerwerk unweit unseres Ausgucks. Das geht gar nicht! Absolute Brandgefahr! Also machen wir uns auf um die Störenfriede zu stellen. Der Kniff dabei: Es gibt keine Automap oder vergleichbaren Firlefanz. Wir müssen uns mit Kompass und Landkarte zu orientieren wissen. Das ist anfangs etwas umständlich, passt aber ungemein ins Szenario. An Supply Caches können wir nicht nur unsere Karte aktualisieren sondern finden auch Notizen mit Hintergrundinformationen und neue Gadgets, wie Seile. Die sind wichtig um große und unpassierbare Höhenunterschiede zu überwinden. Einmal abgeseilt bleibt das Seil an Ort und Stelle zum späteren Erklimmen. Am Tatort angekommen, konfisziert Henry die Feuerwerkskörper. Nun liegt es an ihm, ob wir die im See planschenden Teenies zurückhaltend oder aggressiv ermahnen. Lassen wir noch ihre Whiskeybuddel mitgehen oder lassen wir alles so wie es ist? Jede Entscheidung auch die des beschriebenen Prologs haben Einfluss auf die zahlreichen Gespräche mit Delilah, jedoch nur auf deren Verlauf. Den Werdegang ihrer Beziehung oder gar das Ende der Handlung ist vorbestimmt und kann somit nicht durch Euch geändert werden.

Aber das ruhige Dasein eines Parkwächters mit Ordnungsdelikten wird jäh durch mysteriöse Ereignisse durchgeschüttelt. Wer ist die gruselige Gestalt, die uns im Dunkeln zu beobachten scheint? Steht das Verschwinden von Menschen mit früheren Fällen in Zusammenhang? Und warum sollte jemand das Einzige Telefonkabel in der Wildnis durchschneiden? Treibt ein Psychopath in der Wildnis sein Unwesen? Ohne zu viel vorweg nehmen zu wollen: Der Einstieg mag relativ idyllisch sein, aber im Spielverlauf der ca. sechs Stunden wird unser Nervenkostüm im besten Sinne ganz schön beansprucht. Die Handlung bleibt bis zum Schluss unglaublich spannend.

Abseits davon bietet aber auch die Beziehung zwischen Henry und Delilah genug Erinnerungswürdigkeit. Zum Beispiel die vielen Sticheleien, wenn Delilah den “kniffligen” Code zu den Supply Caches verrät oder Henry über die widrigen Umstände der Natur jammert. Die beiden finden durch die vielen Tage, die sie zusammen und doch weit voneinander entfernt verbringen zueinander und durch die fantastische Arbeit von Autor und Sprechern wirkt ihre Entwicklung ganz natürlich. Hier merkt man, dass die Entwickler, namentlich #SeanVanaman und #JakeRodkin, unter anderem bei #Telltale an #TheWalkingDead mitgeschrieben haben. Die Handlung, die Figuren, aber auch der Nationalpark selbst tragen viel zur Atmosphäre bei. Trotz linearer Pfade haben wir das Gefühl in einem großen naturbelassenen Areal herumzutoben. Nichts wirkt künstlich, jedes Terrain von steinigen Höhen bis zum dichten Wald wirkt natürlich und wie aus einem Guss. Um ehrlich zu sein hatte ich seit #Skyrim noch nie so viel Spaß einfach nur mit Kompass und Karte in der Hand durch die Welt zu spazieren. Im letzten Drittel entzaubert sich das Level-Design allerdings selbst, da die ganze Zeit über Tiere zu hören, aber nie zu sehen sind, was den Park irgendwann etwas leblos erscheinen lässt. Die cartoonige Optik hüllt das Ganze in ein sehr stimmiges Kleid – besonders die Lichtstimmung ist toll gelungen!

Auf dem PC sogar in 4K-Auflösung bei konstanten 60fps. Auf der #PlayStation4 störten leider regelmäßige Nachladeruckler und Pop-ups den positiven Eindruck etwas. Akustisch ist #Firewatch über jeden Zweifel erhaben: Schönes Naturambiente und ein dezenter, sehr schöner instrumentaler Soundtrack runden dieses schöne Autorenstück perfekt ab – und dass uns die Sprecher begeistert haben, ist doch mehr als klar geworden, oder? Der Soundtrack stammt aus den Federn des Komponisten #ChrisRemo, der für seine Arbeiten am #GoneHome Soundtrack einigen von Euch bekannt vorkommen dürfte. Für #PC Spieler gibt es den Soundtrack sogar mit in der Edition, #PlayStation4 Käufer bekommen ein paar Hintergrundbilder für die Konsole oben drauf – schade, hier hätten wir uns auch über einen Downloadlink zum Original Soundtrack gefreut.

 

 

Ich mag wie #Firewatch mit mir spielt: Am Anfang werde ich melancholisch, dann bringen mich Deliliah und Henry zum Lachen, werde beim Herumlaufen ganz meditativ und schließlich werde ich besorgter je weiter die Handlung voranschreitet, werde gar ängstlich! Und das ist zu einem Großteil der tollen Schreibarbeit von Rodkin und Vanaman zu verdanken. Sicher man könnte sagen, dass #Firewatch wie #EverybodysGonetotheRapture oder #GoneHome sei. Aber damit wird man dem Titel nicht gerecht, denn weder die erwähnten Spiele noch #TheVanishingofEthanCarter haben es geschafft nur durch zwei Normalos, die miteinander Reden und relativ subtile Ereignisse mich so durchzuschütteln. Und am Ende bleibt nur die Erkenntnis: Niemand ist perfekt.


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Autor: Tim Hildebrandt

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