Spiele als Inspiration für Kunstwerke Teil X

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»DER GEKÜHLTE LICHTBLICK EINER GESCHICHTETEN STADT«, Leinwand auf Keilrahmen, 100 X 280 cm

WINTERMÄRCHENWELT UND BETONWÜSTE

Utopie – Dystopie
Inmitten einer überdimensionierten Stadt erhebt sich die Kuppel einer mächtigen Schneekugel. Eine Vielzahl fotografischer Eindrücke von Tokyo hat der Künstler zu einem monochromen, dunkeltönigen Panorama geschichtet. Die Grenzenlosigkeit der Stadt zeigt sich vor allem im Fehlen einer gradlinigen Skyline; stattdessen erfährt die Horizontlinie eine 90 Grad Biegung und mündet in einen vertikalen Verlauf himmelwärts. Wie eine gefrorene, märchenhafte Utopie erstrahlt die in der Schneekugel sich befindende Winterlandschaft, inmitten des grobkörnig-monochromen, fast trostlosen Raumes der Stadt. Eine Vielzahl von Häusern, ein See mit Dampfschiff, eine Lokomotive, Tannen, Hügel von unterschiedlichem Gefälle und ein zu den Biegungen der Landschaft ebenmäßig gekrümmtes Alpenmassiv bilden eine umfriedete, von Schneeflocken umwobene Weltvorstellung. Die dystopische Stadt wirkt im Kontrast dazu anonym und betrüblich. Ein Fernseher aus den 1960er Jahren lässt sich in mitten der Wolkenkratzer finden. Sein Rauschbild bildet eine interessante Analogie zur grobkörnig-fotographischen Auflösung der Stadt, die ebenfalls zu flimmern scheint. Eine in den Wolkenkratzer zu entdeckende Sanduhr steht für das Mass der Zeit, dessen kleinste Einheit ein Sandkorn ist – gewissermaßen auch die kleinste Einheit der photographischen Körnung. Ein mögliches Sinnbild für die Vergänglichkeit einer Stadt, die ohne Menschen in absehbarer Zeit in ihre substantiellen Teile zerfallen würde. Auch die Schneekugel birgt ein Zeitmaß in sich. Als Platzhalter der Sonne steigt hinter dem Alpenpanorama eine zähflüssige Uhr auf, welche am Bergmassiv herab fliest und einen Gletscher bildet. Zimmermann versieht die märchenartige Utopie, wie deren dystopische Aussenwelt mit einem Zeitmaß: Die Schneewelt zerfließt aufgrund zu wenig Kälte, während die umgebende Stadt wie aus Sand gebaut zerrieselt. Ein überraschender Moment bildet die Kuppel des Mondes, die sich zentral in der rechten Bildhälfte finden lässt.

Die Schneekugel als künstlerisches Motiv
In unterschiedlichem Kontext verwendet Matthias Zimmermann die Schneekugel; etwa im Gemälde »Die Schneekugelstadt einer Lichtvitrine« stehen diverse Schneekugeln für räumliche Isolierung und inhaltliche Zusammenhänge. Oder »Die Raummaschine 3«, welche eine art von 3D-Maschine darstellt, die mit dem Würfelgebilde einer 8bit-Grafik eine Analogie bildet. Im aktuell beschriebenen Gemälde steht die Schneekugel für einen Behälter in einer düsteren schier unendliche wirkenden Betonwüste, der mittels Kälte ein künstlich geschaffenes Paradies bewahren möchte. Die Idylle der Schneekugel wird durch einen stark strahlenden Lichtquell erhellt – wie ein Hoffnungsschimmer, quasi ein Lichtblick. Matthias Zimmermanns Gemälde »Der gefrorene Lichtblick einer geschichteten Stadt« versinnbildlicht Kompromisse, die in größter Knappheit an Ressourcen wohl unumgänglich sein würden; und vielleicht wird unsere Welt tatsächlich an einer Übersättigung und Platzknappheit ersticken, so, dass Reservate geschaffen werden müssen, um eine restliche Idylle noch zu bewahren. Gewissermaßen sind künstlich simulierte Winterlandschaften bereits Realität geworden: Etwa in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate), wo in Mitten einer Wüste in einer gekühlten Halle, auf einer Fläche von 22.500 m², 1500 Personen gleichzeitig dem Skisport frönen können. In Anbetracht dieser Tatsachen wirkt Zimmermanns Gemälde sehr realitätsnahe. In dem er den Fortschritt der Zeit und ein daraus resultierendes Szenario in ein subtiles Bild verpackt, schafft er für den Betrachter einen sehr sorgsamen aber dennoch scharfsinnigen Zugang.




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Davis Schrapel
Administrator von GamesArt. Wir haben ein einzigartiges Projekt zur Kultur an Videospiel und Videokonsolen und werden euch mit unseren Artikeln hoffentlich viel Freude und eine andere Sichtweise von Games und Videospiele aufzeigen.


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