GamesArt Textadventure: Abstauben

In unserer Kategorie GamesArt Textadventure befassen wir uns mit kleinen Kurzgeschichten, die sich um Videospiele, Charakteren aus Videospielen, Einsen und Nullen oder ähnlichem drehen. Wir möchten mit unseren Kurzgeschichten Eure Fantasie aufrütteln, wecken und vor allem auf ein neues Level bringen. Erinnert Ihr Euch noch an die ersten Spiele für den PC? Da gab es viele tolle Textadventures, die Eure Fantasie anregten, weil ihr Euch alles nur vorstellen musstet und keine 1080p Grafikpracht präsentiert bekommen habt. Einzig ein kleiner blinkender Balken zeigte Euch an, wo ihr den nächsten Befehl eingeben könnt. Meist verzweifelte man schon an einem Rechtschreibfehler oder der Groß- und Kleinschreibung und das Spiel ließ einem nicht weiter. Trotzdem hatten Textadventures ihren ganz eigenen Flair und ähnliches wollen wir Euch auch mit unseren GamesArt Textadventures bieten, dabei sind wir mit den Genres die wir vertreten sehr großzügig und schwenken auch mal völlig weg vom Thema Videospielen. Heute präsentieren wir Euch Part 3 – Abstauben angelehnt an ein Spiel aus dem Hause #SizeFiveGames und Publisher #CurveDigital – der Charme von #TheSwindle hat es mir angetan, und die nächsten Zeilen entführt Euch in die Unterwelt von London…

Was mache ich in diesem Luftschiff? Die Wände wackeln, der Boden vibriert. Viel Platz habe ich nicht, es ist ziemlich klein, aber ich sehe durch ein kleines Bullauge, dass ich mich mit rasender Geschwindigkeit gegen Erdboden bewege. Es wird ruckartig langsamer, ein Triebwerk geht gegen den nahenden Aufprall vor – alles automatisch – wer steuert dieses Teil? Was mache ich hier verdammt? Das Schiff schlägt ungemütlich auf die Straße auf, die Tür öffnet sich mit quietschendem Metall. Ob das Luftschiff eine Rückkehr aushält? Wieso sollte ich überhaupt wieder in diese grauenvolle Höllenmaschine einsteigen? Mein Blick fiel auf die Straße der Slums. Der Abend war angebrochen, dass kleine Luftschiff, einer Rakete ähnelnd, stand mitten auf der Straße qualmend hinter mir. Ich befand mich in London. Aber nicht irgendwo in London, nein ich stand mitten in den Slums. Die Oligarchen haben das hier zu verantworten und es war kein schöner Anblick der sich mir bot. Ich stand vor einer heruntergekommenen Fabrik, in riesigen Neon leuchtenden Buchstaben waren die Worte „Swiss Converters“ zu lesen und ich wusste schlagartig, was nun meine Aufgabe sein würde – die Barackensiedlung musste warten, ich hatte eine Fabrik mit Potenzial vor mir!

Ich schlich mich mit leisen Schritten in Richtung Eingang. Die Tür hatte keine besonders hohen Sicherheitsvorkehrungen, nein um genau zu sein, war diese nicht einmal verschlossen! Ich konnte sie einfach öffnen. Dahinter lag die erste schwere Aufgabe für mich, eine Wache lief den Flur auf und ab. Ich durfte nicht gesehen werden! Leise öffnete ich die Tür, als die Wache sich gerade von mir weggedreht hatte und mit dem Holzknüppel verpasste ich dem nicht menschlichen Wachposten eine kleine Auszeit. Ein einziger Schlag, und die programmierte Wache lag ausgeschaltet am Boden. Ich kletterte einige Wände nach oben und wunderte mich über die merkwürdige Architektur. Warum baut man hier keine Treppen ein?!

»Wer zur Hölle hat denn dieses Bauwerk zu verantworten?«, fluchte ich und schlich mich an die nächste Tür heran – direkt davor lag ein Bündel Geldnoten. Ein toller Fund, ich steckte die Banknoten ein – diese 8 Pfund waren nur der Anfang meiner Beute.

Auch die nächste Tür war nicht verschlossen und ich lief einen langen Gang bis in einen etwas größeren Raum hinein. Hier schwebte ein Kameraroboter und ein weiterer elektrischer Wachmann zog seine Kreise. Leise surrte die fliegende Drohne ihre Bahnen, ein Suchscheinwerfer änderte in keinen erkennbaren Rhythmus seine Richtung, hier war wohl einfach ein wenig Glück notwendig um heil aus der Situation herauszukommen. Ich fackelte nicht lange und klatschte die Drohne von der Decke und dem Wachmann zeitgleich eins über die Rübe. Zwei auf einen Streich dachte ich noch und schon machte ich mich an den Computer der nun frei im Raum zur Verfügung stand. Hier konnte ich meine Hack-Skills beweisen. Ich führte die hack.exe aus und begann damit die Sicherheitsschranken zu umgehen, es gab einige Sektoren die umgangen werden mussten. Oben – unten – links – oben – ich hämmerte in die Tasten und gab alles was ich gelernt hatte in Sachen Bankdaten übernehmen. Es dauerte nicht lange und meine Beute war bereits 265 Pfund schwer. Heute ist ein guter Tag, das habe ich im Gefühl!

Ich stand vor einem Fenster und blickte auf das nächste Fenster. Was für eine Architektur! War der Architekt besoffen beim Planen dieses Gebäudes? Warum war hier nicht einfach ein Gang? Ein Fenster führte hinaus zum Dach, dass wiederum ein Meter weiter wieder in einem Fenster endete. »Scherben bringen Glück!«, flüsterte ich und schlug die Scheiben vor mir zu tausenden kleinen Splittern. Eine wundervolle Sache so ein Fenster, man musste zwar stets aufpassen, sich nicht am Scherbenregen zu verletzten, aber es war auch immer wieder wie ein Kunstwerk in meinem Augen, aus einer Scheibe eine halbe Million kleine Teile zu zaubern. Der sich vor mir erstreckende Flur führte mich in einem ebenso merkwürdigen Raum, wie die schon besuchten Gemäuer. Ich werde mich wohl an dieses Gebäude nicht gewöhnen können. Im Raum vor mir ging es plötzlich sechs Meter nach unten und auf halbem Wege dahin, war ein versteckter Raum zu sehen. Ich blickte hinab und überlegte, wie ich mich am elegantesten nach unten begeben könnte, denn eine Treppe gab es nicht. Zum Glück bin ich ein Meister im Klettern und von Wänden abspringen. So war es für mich eine Kleinigkeit und ich stand vor dem nächsten Computer, der mich schon leise anflehte, ihm jetzt zu knacken. Doch so einfach sollte es mir diesmal nicht gemacht werden. Der Raum war zwar leer von Robo-Wächtern, aber eine Mine lag vor mir. Ich konnte ihren Laserstrahl, den sie stur nach oben richtete deutlich erkennen. Die gute neue Technik, ob sich diese ebenfalls hacken lässt? Ich bündelte meine Technik, schloss meine Geräte an und machte mich an die Arbeit. Diese sollte nicht zulange dauern, denn ich machte einen schwerwiegenden Fehler. Die Mine ging hoch, ich hatte keine Chance, eine laute Explosion riss mich aus den Socken und schleuderte mich quer durch den Raum. Ein großes Loch hatte sich im Fußboden aufgetan. Meine Beute flog durch den Raum, ich betrachtete fliegende Banknoten, währen sich meine Augen langsam trübten und ich meinen letzten Atemzug tat.

79 Tage verbleibend…

Autor: Davis Schrapel